
Österreichische Biotechnologie als Wachstumsmotor begreifen
Während beim "großen Bruder" Deutschland die Biotechnologietage mit großen Worten der Politik (weltweit innovativster Standort) noch liefen, traf sich die österreichische Szene zum fünften Biotech Circle in der Wiener Börse. Auch dort sprach die Politik der Branche eine große Bedeutung in der neuen Landeswirtschaftsstrategie zu. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich wollen die Akteure nach den schönen Worten nun aber auch Taten sehen.
Beim 5. Biotech Circle Austria in Wien hat die österreichische Life-Sciences-Branche ihre wachsende Bedeutung als wirtschaftlicher Treiber betont – zugleich aber strukturelle Defizite angemahnt. Rund 100 Vertreter aus Forschung, Industrie, Politik und Finanzwelt diskutierten, wie sich das vorhandene Potenzial stärker in Wertschöpfung übersetzen lässt.
Biotech-Branche drängt auf bessere Rahmenbedingungen in Österreich
Im Zentrum stand die Frage, wie der Übergang von wissenschaftlicher Exzellenz zu skalierbaren Geschäftsmodellen gelingen kann. Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, beschrieb in ihrer Keynote „Start Up – Scale Up – Step Up: From Innovation to Impact“ den Weg von der Innovation zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkung. Darin zeigte sie Österreichs starke wissenschaftliche Grundlagen und das dynamische Wachstum des Life-Sciences-Sektors auf, verwies aber ebenso auf die massiven strukturellen Hürden, die Translation, Skalierung und globale Wettbewerbsfähigkeit bislang begrenzen. Auf Basis ökonomischer Daten und internationaler Vergleiche machte sie deutlich, dass Biotechnologie zu einem echten industriellen Wachstumsmotor für Österreich werden kann – vorausgesetzt, dass Kapitalzugang, regulatorische Rahmenbedingungen und Talententwicklung gezielt gestärkt werden.
Auch Branchenvertreter forderten mehr Entschlossenheit in der Umsetzung. Peter Llewellyn-Davies, Vorstandsvorsitzender BIOTECH Austria, betonte, dass es nun darauf ankomme, vorhandene Dynamik in konkrete wirtschaftliche Effekte zu überführen. „Österreich hat alles, was es braucht, um ein führender Biotech-Standort zu sein: exzellente Forschung, engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer und ein stark vernetztes Ökosystem“, bekräftigte er. Diskutiert wurden unter anderem neue Finanzierungsinstrumente wie ein nationaler Dachfonds sowie eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren. Dabei legte schon der Titel der Podiumsdiskussion nahe, dass sich die Branche keineswegs sicher ist, ob die politisch-signalisierte Unterstützung ausreicht und schnell genug spürbar wird. Step up or fall behind lautete das Motto einer Diskussionsrunde, die auch unter anwaltlichem Beistand von Herbst Kinsky Rechtanwälten (siehe Foto) deutlich machte, dass im globalen Wettlauf in der Biotechnologie und den Life Sciences niemand wirklich auf Österreich warten würde.
Die Welt wartet nicht
Einigkeit herrschte darüber, dass Biotechnologie längst kein Nischensektor mehr ist, sondern eine strategische Schlüsselindustrie. Entscheidend bleibe, Forschung, Kapital und politische Rahmenbedingungen enger zu verzahnen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken. Die Dynamik sei vorhanden, doch laut Llewellyn-Davis gelte es nun, „diesen Schwung zu nutzen und konsequent in Wirkung umzusetzen“.

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